Fast fünf Monate sind vergangen, seit das 150.000 Mann starke Türkenheer von Edirne Richtung Belgrad und Wien aufgebrochen ist. Anfang September 1529 rückt die Vorhut ins Wiener Becken ein: 20.000 leichte Reiter. Offiziell heißen sie „Akindschis (Freiwillige), doch die Soldaten nennen sie nur „Delis (die Verrückten).

Diese Delis leisten grausame Arbeit. Innerhalb weniger Tage werden mehr als 5000 Zivilisten ermordet oder gefangen. Ein Chronist berichtet: „Dieses schöne Land ward von den Reitern zerwühlt und mit Rauch gefüllt. Aschenhügel waren die Reste der Häuser und Paläste. In den Zelten und auf den Lagermärkten wurden schöne Gesichter verkauft, und der Beute war kein Ende. Die Familien der Ungläubigen waren verbrannt und verheert ihr ganzes Land. Es handelte sich also keineswegs um die Exzesse einzelner Truppenteile, sondern bildete ein Kalkül der türkischen Strategie, durch Mord und Terror gegen die Zivilbevölkerung den militärischen Widerstand des Gegners zu lähmen.

Doch die Wiener lassen sich nicht lähmen. Stadtkommandant ist der 70-jährige Graf Niklas Salm, ein erfahrener Mann, der schon mit dem berühmten Landsknechtsführer Georg von Frundsberg in Italien gegen die Franzosen gekämpft hat. Er verfügt nur über 17.000 Mann: Milizen sowie Söldner unter dem Kommando des Pfalzgrafen Philipp. Die Stadtmauern sind kaum zwei Meter dick und in kläglichem Zustand. Als am 25. September das Gros des Türkenheeres mit Ibrahim Pascha an der Spitze vor den Toren Wiens eintrifft und einen Tag später Sultan Soliman II. seine prächtige Zeltburg im heutigen Kaiserebersdorf bezieht, schient die Niederlage nur eine Frage der Zeit.